Stimmfach „Bach-Bariton“? – Zum 300. Jubiläum der Kreuzstab-Kantate · 1726–2026
Johann Sebastian Bach verlieh der Bassstimme in seinem geistlichen Werk eine herausragende Bedeutung. Noblesse, Autorität, Innigkeit und Beweglichkeit verbinden sich hier mit virtuoser Technik, mühelosen Höhen und tragfähigen, klangvollen Tiefen. In drei seiner eindrucksvollsten Kantaten (BWV 56, 82 und 158) ist der Bass sogar die einzige Solostimme. Darüber hinaus übernimmt er häufig die Rolle der vox Christi und verkörpert damit die Stimme Jesu in Passionen, Messen, Oratorien und einigen Kantaten.
Zur Zeit Bachs war der Begriff „Bass“ jedoch weit gefasst und umschloss unterschiedliche tiefe Stimmlagen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich der Bariton als eigenständige Stimmlage durch. Welche Stimmen eignen sich also heute besonders für jenes anspruchsvolle Repertoire, das Bach der „Bass“-Stimme zugedacht hatte?
An der Schnittstelle zwischen dunklem Bariton und hohem Bass findet sich ein Timbre, das die von Bach geforderten Eigenschaften in idealer Weise vereint: kraftvoll und dunkel gefärbt, zugleich beweglich, ausdrucksstark und von natürlicher Höhe. Ob Bariton mit dunklem Timbre, Bassbariton oder basse chantante – der Begriff „Bach-Bariton“ scheint diese vokale Identität treffend zu umschreiben und würdigt zugleich den Komponisten, der für diese Stimmen so außergewöhnlich inspiriert schrieb.
Daniel F. Azar (Bariton) & Nina Violetta Aichner (Klavier)
Tickets: https://events.eventjet.at/e/stimmfach-bach-bariton-300-jahre-bass-kantaten-27-10-2026/