GOTTESDIENSTREIHE

DER JAHRESEVANGELIST JOHANNES – DIE ZEIT IST REIF

Der Evangelist Johannes wird in der Tradition mit dem Lieblingsjünger Jesu gleichgesetzt.

Die Abfassungszeit des Evangeliums wird allerdings Ende des 1. oder den Beginn des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung angenommen. Sein ältestes bekanntes Textzeugnis (Papyrus 52) wurde in Ägypten gefunden und wird zwischen 100 und 150 unserer Zeit datiert. Da muss das Evangelium also schon verbreitet gewesen sein.

Das Muster des Johannesevangeliums unterscheidet sich von dem der anderen drei synoptischen Evangelien. Es gibt keine Gleichnisse und auch viel weniger Vorfälle oder Heilungen, und die „Zeichen“ (das Wort Wunder wird vermieden) werden oft in längeren Passagen gedeutet. Anliegen des Evangeliums ist es, zu zeigen, wie sich Gott im Leben Jesu offenbart. Jesus selbst ist das Wort, „der leibhaftige Ausdruck dafür, dass und wie Gott uns Menschen entgegenkommt“ (Alexius Bucher).

Mit diesem Entgegenkommen Gottes wollen wir uns im kommenden Kirchenjahr besonders befassen und wir werden dabei auch manchen Szenen oder Aussagen begegnen, die in den anderen Evangelien nicht vorkommen. Vor allem die vielen Figuren im Johannesevangelium wollen wir in den Blick nehmen: z.B. Nikodemus, die Frau am Jakobsbrunnen, die Ehebrecherin, die Schwestern Maria und Marta, Maria Magdalena und Thomas. In detailreichen Szenen beschreibt der Evangelist ihre Begegnungen mit Jesus und möchte damit einladen, dass wir uns auch mit unseren Fragen und Zweifeln angesprochen fühlen und in die Begegnung einsteigen.

Renate Hochmeister / Magdalena Pfauser-Czak

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