GOTTESDIENSTREIHE

PAULUS, UNERTRÄGLICH ? • Predigtserie zum Galaterbrief

Vor vielen Jahren unterwegs in der Türkei. Circa zwanzig Teilnehmer*innen einer Bibelschule stationiert in Istanbul. Von dort unterwegs gen Osten gen Süden „auf den Spuren des Paulus“. Unterwegs mit der Bibel im Gepäck, vor allem mit Paulus-Briefen und Apostelgeschichte. Mit von der Partie Rosa und Horst, ein Paar aus München. Verheiratet, drei Kinder. Sie Jüdin, er Christ.

Hier einen kurzen Eindruck bekommen haben, welches Konfliktpotential der Alltag in einem jüdisch-christlichen Haushalt birgt. Koschere Küche ja, getrennte Herde für milchig für fleischig. Farblich markiertes Besteck nein, dafür zwei Laden zwei Geschirrspüler. Ist es am Shabbes erlaubt mit dem Auto zu fahren? Sie nein, er ja. Hitzige Diskussionen! Die Einladung von Gästen zum Lunch, was wird für wen wie gekocht? Lange Verhandlungen. Die Erziehung der Kinder? Eine Zerreißprobe.

Damals „auf den Spuren des Paulus“ dank Rosa aber auch eine Ahnung bekommen haben was „Gesetz“ für jüdisches Leben bedeutet. Die Kostbare Tora. Mit wieviel Ehrfurcht die Tora-Rollen in der Synagoge behandelt werden. Das ausgelassene Feiern zu Simchat Tora, das Fest der Freude am „Gesetz“. Rosa hat für ihren Beitrag zur Bibelschule den Brief des Apostels Paulus an die Galater gewählt. (Bibelschule heißt: jeder befasst sich intensiv mit einem Text der Bibel und hält dazu ein kurzes Impuls-Referat.) Mir unvergesslich Rosas Ringen mit Paulus. Ihr rastloser, immer verzweifelter werdender Anblick inmitten eines Bücherstapels, alle möglichen Bibel-Kommentare zum Galaterbrief. Und zuletzt, im ehemaligen Antiochien im heutigen Antakya nahe der syrischen Grenze, wie sie kopfschüttelnd mit einem tiefen Seufzer und mit energischer Armbewegung den ganzen Stapel Paulus-Bücher vom Tisch fegt.

Alle, die nach dem Gesetz leben, stehen unter dem Fluch. (Gal 3,10). Dem Charisma des Ortes St Ruprecht verpflichtet, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jüdischen Stadttempel, wird zwischen Ostern und Pfingsten eine vierteilige Predigt-Serie ebendiesem Paulus-Brief an die Galater gewidmet. Ein Versuch die Dynamik des Anfangs zu begreifen. Ein Sprung nach vorn.

In Antiochien nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen. (Apg 11,26)

Christian Stuhlpfarrer

DER JAHRESEVANGELIST JOHANNES – DIE ZEIT IST REIF

Der Evangelist Johannes wird in der Tradition mit dem Lieblingsjünger Jesu gleichgesetzt.

Die Abfassungszeit des Evangeliums wird allerdings Ende des 1. oder den Beginn des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung angenommen. Sein ältestes bekanntes Textzeugnis (Papyrus 52) wurde in Ägypten gefunden und wird zwischen 100 und 150 unserer Zeit datiert. Da muss das Evangelium also schon verbreitet gewesen sein.

Das Muster des Johannesevangeliums unterscheidet sich von dem der anderen drei synoptischen Evangelien. Es gibt keine Gleichnisse und auch viel weniger Vorfälle oder Heilungen, und die „Zeichen“ (das Wort Wunder wird vermieden) werden oft in längeren Passagen gedeutet. Anliegen des Evangeliums ist es, zu zeigen, wie sich Gott im Leben Jesu offenbart. Jesus selbst ist das Wort, „der leibhaftige Ausdruck dafür, dass und wie Gott uns Menschen entgegenkommt“ (Alexius Bucher).

Mit diesem Entgegenkommen Gottes wollen wir uns im kommenden Kirchenjahr besonders befassen und wir werden dabei auch manchen Szenen oder Aussagen begegnen, die in den anderen Evangelien nicht vorkommen. Vor allem die vielen Figuren im Johannesevangelium wollen wir in den Blick nehmen: z.B. Nikodemus, die Frau am Jakobsbrunnen, die Ehebrecherin, die Schwestern Maria und Marta, Maria Magdalena und Thomas. In detailreichen Szenen beschreibt der Evangelist ihre Begegnungen mit Jesus und möchte damit einladen, dass wir uns auch mit unseren Fragen und Zweifeln angesprochen fühlen und in die Begegnung einsteigen.

Renate Hochmeister / Magdalena Pfauser-Czak

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