MECHAYE HAMETIM

Prägend für die Gemeinde ist auch die Nähe der Kirche zur Jüdischen Synagoge und zum Morzinplatz, wo das Hauptquartier der Gestapo stand. In der Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums und im jährlichen Gedenken an die Novemberpogrome 1938 will die Gemeinde dazu beitragen, das Gedenken an die Juden und alle übrigen Opfer wachzuhalten, die in der Zeit des Nationalsozialismus erniedrigt und ermordet wurden. Durch die alljährliche Bedenkwoche Mechaye Hametim wollen wir uns erinnern und für aktuelle Ausgrenzungen sensibel werden.

Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt
Bedenktage zum Gedenken der Novemberpogrome 1938

Zum 83. Mal jähren sich heuer die Gräuel der Novemberpogrome. Der „Fußspur, die sich mit Tod füllte“ gedenken heißt es in einem der „Gebete für den toten Bräutigam“ von Nelly Sachs. Seit vielen Jahren versucht die Gemeinde St. Ruprecht in Kooperation mit anderen christlichen Institutionen genau dies in Bezug auf die Schoa, der Judenvernichtung der NS-Herrschaft, zu tun. Auch in diesem Jahr.

Otto Friedrich

Montag, 4. Oktober, 19 Uhr
„Gepriesen und geheiligt sei der große Name des Menschen!“– Leonard Bernsteins Kaddisch
Vortrag
Das Kaddisch ist eines der bedeutendsten Gebete des Judentums, auch ein Gebet für die Toten. Ihm wird starke Wirkkraft zugeschrieben. Nach der Schoa hat es als zentraler Text des Gedenkens enorme Bedeutung erlangt und wird vielfach in Literatur, Kunst und Musik, unter anderem von Leonard Bernstein, verarbeitet.
Referent: Gerhard Langer, Professor für Geschichte, Religion und Literatur des Judentums in rabbinischer Zeit an der Univ. Wien
Ort: Otto-Mauer-Zentrum, 1090 Wien, Währinger Straße 2-4
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 51552-5100, www.kav-wien.at, ka.akademikerverband@edw.or.at

Montag, 18. Oktober, 19 Uhr
Musik und Totalitarismus im 20. Jahrhundert
Vortrag
Totalitäre Herrschaftssysteme haben die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt: Das Musikleben konnte sich dem Anspruch der totalitären Diktaturen, alle Lebens- und Kulturbereiche zu kontrollieren und im Sinne der jeweiligen Ideologie zu gestalten, nicht entziehen. Zahlreiche herausragende Musiker, Komponisten wie Interpreten, wurden Opfer des Totalitarismus. Auch die Rezeptionsgeschichte vieler Musikwerke und sogar ganzer stilistischer Richtungen wurde direkt oder indirekt von den totalitären Ideologien beeinflusst.
Referent: Jascha Nemtsov, Professor für Geschichte der jüdischen Musik an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“, Weimar
Ort: Otto-Mauer-Zentrum, 1090 Wien, Währinger Straße 2-4
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 51552-5100, www.kav-wien.at, ka.akademikerverband@edw.or.at

Dienstag, 19. Oktober, 19 Uhr
„Für den unbekannten Verfolgten“ – Verfolgte Komponisten des 20. Jahrhunderts und ihre Wiederentdeckung
Klavierkonzert
Mit Werken von Juliusz Wolfsohn, Joachim Stutschewsky, Bernhard Sekles (ÖEA), Heller (ÖEA) und Viktor Ullmann
Pianist: Jascha Nemtsov, Hochschule für Musik „Franz Liszt“, Weimar
Ort: Stefanisaal, Stephansplatz 3, 1010 Wien
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 51552-5100, www.kav-wien.at, ka.akademikerverband@edw.or.at

Dienstag, 26. Oktober, 10 bis 13 Uhr
„Geschwisterlichkeit statt Judenfeindschaft“
Studienvormittag
Immer noch sind in Kirchen und Gemeinden antijüdische Kunst, Kirchenpatrone und Veranstaltungen zu finden. Erfahrungsberichte aus Pfarrgemeinden, die sich dieser Frage schon gestellt haben, können Pfarrgemeinden unterstützen, die sich dieser Frage noch stellen werden.
Leitung: Dr. Markus Himmelbauer
Ort: Evangelische Pauluskirche, 1030 Wien, Sebastianplatz 4
Infos & Anmeldung: Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Telefon 01 – 4797376, www.christenundjuden.org

Dienstag, 26. Oktober, 14.30 bis 17.15 Uhr
„Gedenk-Achtelmarathon 2021“
Gedenkspaziergang
Der Rundgang umfasst eine Reihe von historischen Schauplätzen des Antisemitismus in der Inneren Stadt und in Wien Landstraße. Die früheste besuchte Stätte erinnert an Ereignisse des Mittelalters. Die meisten der Gedenksteine auf dem Weg erinnern hingegen an die systematische Deportation und Vernichtung jüdischen Lebens während des Holocaust: Von den – modernen – Kirchenfenstern der Pauluskirche mit antijüdischen Motiven führt der Weg u.a. über das Lueger-Denkmal und Gedenksteine für ermordete Jüdinnen und Juden zur ehemaligen Synagoge in Wien-Landstraße. Der Rundgang endet an der Stelle, wo 1421 die Jüdinnen und Juden Wiens verbrannt wurden (Wiener Gesera).
Leitung: Matej Perč
Treffpunkt: Evangelische Pauluskirche, 1030 Wien, Sebastianplatz 4
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 4080695-0, anmeldung@ash-forum.at, www.ash-forum.at

Donnerstag, 28. Oktober, 9 bis 16 Uhr
Besuch besonderer jüdischer Orte in Wien
Exkursion
Wir starten mit einem Besuch des „alten jüdischen Friedhofs“ am Zentralfriedhof. Die nächste Station ist der Stadttempel, die Hauptsynagoge von Wien, in der Seitenstettengasse. Nach dem Essen im Restaurant „Alef-Alef“ gehen wir zum Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoa, entworfen von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread. Letzter Programmpunkt ist das Jüdische Museum Wien im Misrachi-Haus. Es dokumentiert das soziale, kulturelle und religiöse Leben der Wiener Juden im Mittelalter und befindet sich dem ehemaligen Herz der jüdischen Gemeinde von damals.
Treffpunkt: Zentralfriedhof, Tor 1, 8.45 Uhr
Infos & Anmeldung (UNBEDINGT NOTWENDIG bis 27. Oktober): Telefon 01 – 51552-5100, www.kav-wien.at, ka.akademikerverband@edw.or.at
Kostenbeitrag: € 25,- (Eintritt & Führungen); 3-Gänge-Menü: € 15,-

Freitag, 5. November, 18.30 Uhr
Niemals vergessen!
Konzert anlässlich der Tage des Novemberpogroms
Gastreferent: Dr. Markus Himmelbauer
Musik: Sonja Equiluz (Klarinette), Daniel Johannsen (Gesang), Yasuko Yamamoto (Orgel, Klavier)
Ort: Evangelische Pauluskirche, 1030 Wien, Sebastianplatz 4
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 7132495, www.pauluskirche.at

Samstag, 6. November, 11 bis14 Uhr
„Gedenk-Achtelmarathon 2021“
Gedenkspaziergang
Wiederholung des „Gedenk-Achtelmarathons“ vom 26. Oktober (Programm siehe dort)
Leitung: Matej Perč
Treffpunkt: Evangelische Pauluskirche, 1030 Wien, Sebastianplatz 4
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 4080695-0, anmeldung@ash-forum.at, www.ash-forum.at

Samstag, 6. November, 17 Uhr
Das unverworfene Volk
Gottesdienst der Gemeinde St. Ruprecht
Neutestamentliche Texte wie das Gleichnis von den bösen Winzern (Mk 12,1-12) wurde im Christentum durch Jahrhunderte als Beleg für die Verwerfung des jüdischen Volkes interpretiert. Die Kirchen sind so mitschuldig geworden an der Judenverfolgung durch die Geschichte.
Ort: Ruprechtskirche, 1010 Wien
Infos: Telefon 01 – 5356003, st.ruprecht@aon.at

Dienstag, 9. November, 19 Uhr
MECHAYE HAMETIM – DER DIE TOTEN AUFERWECKT
Ökumenischer Gedenkgottesdienst
am 83. Jahrestag der Novemberpogrome 1938
Worte des Gedenkens: Assoz. Prof. Dr. Regina Polak, Vorständin des Instituts für Praktische Theologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Wien
Ort: Ruprechtskirche, Wien 1
anschließend Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz
Infos: Telefon 01 – 5356003, st.ruprecht@aon.at

Mittwoch, 10. November, 16 Uhr
Innere Stimme und Widerstand • Kurt Huber, Mitglied der Weißen Rose
Vortrag bei der „Akademie am Dom“
Vor 70 Jahren leistete Kurt Huber, Professor für Psychologie und Philosophie, zusammen mit seinen Münchner Studenten der Weißen Rose Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Studenten Alexander Schmorell und Hans Scholl unternahmen eine Flugblattaktion, der sich Huber anschloss und zusammen mit Hans Scholl das fünfte und allein das sechste Flugblatt der Weißen Rose verfasste, das die Royal Air Force zusammen mit den Bomben millionenfach über Deutschland abwarf. Sein Flugblatt und seine Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof gehören heute zu den meistzitierten Texten des deutschen Wider­standes. Was Huber zum Widerstand zwang, kann heute Wege zu Verständnis und Engagement für die Demokratie aufzeigen.
Referent: Wolfgang Huber, em. Prof. f. Deutsche Sprachwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt, Sohn von Kurt Huber
Ort: Theologische Kurse, 1010 Wien, Stephansplatz 3
Infos & Anmeldung: Telefon 01 – 4000-08114, www.theologischekurse.at 
Beitrag: € 14,-

Montag, 15. November, 19.30 Uhr
„Liebe war es nie“ (2020)
Filmmontag
„Liebe war es nie“ handelt von der unglaublichen und tragischen Liebesgeschichte zwischen der jungen Jüdin Helena Citron, Häftling in Auschwitz, und dem österreichischen SS-Offizier Franz Wunsch. Es war eine verbotene Beziehung, die das Leben beider täglich in Gefahr brachte. Rund 30 Jahre nachdem sich der Lebensweg der beiden am Tor in Auschwitz trennte, sehen sie in einem Wiener Gerichtssaal einander wieder – Franz als Angeklagter, Helena als Zeugin. Die israelische Regisseurin Maya Sarfaty erzählt diese Geschichte in ihrem Dokumentarfilm nach.
Einführung: Otto Friedrich/DIE FURCHE; Christian Rathner/ORF. Im Anschluss Gespräch mit Kurt Langbein, dem Produzenten des Films.
Ort: Votivkino, 1090 Wien, Währinger Straße 12
Infos & Tickets: www.votivkino.at
Preis: € 9,20

Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von: Gemeinde St. Ruprecht, Albert-Schweitzer-Haus – Forum für Zivilgesellschaft, Evangelische Hochschulgemeinde Wien, Die Furche, Forum Zeit und Glaube – Katholischer Akademiker/innenverband der Erzdiözese Wien, Katholische Aktion Österreich, Koordinierungsausschuss für christich-jüdische Zusammenarbeit, Theologische Kurse

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