Die Ruprechtskirche


Die Ruprechtskirche ist die älteste Kirche Wiens. Der Legende nach wurde sie durch die beiden Glaubensboten aus Salzburg, Chuniald und Gislar, im Jahr 740 gegründet. Das erste überlieferte Dokument, in dem die Ruprechtskirche genannt wird, stammt aus dem Jahr 1200 und bezieht sich auf die Schenkung an das Schottenstift durch den Babenberger Herzog Heinrich Jasomirgott (gest. 1177).

Die Kirche ist dem Hl. Rupert (gest. 715/716) geweiht, der zunächst Bischof von Worms war und dann etwa 10 Jahre lang am Aufbau der Kirche in Salzburg gewirkt hat. Das Fest des Hl. Rupert wird am 24. September gefeiert. Er ist Patron der Salzschiffer und der Stadt Salzburg. Die Verbindung St. Ruprechts mit dem Salzhandel, einem wichtigen Wirtschaftszweig vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, ist vielfach belegt.

 

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Von der Romanik bis zur Gegenwart

Die ältesten, bis heute erhaltenen Mauern der Ruprechtskirche gehen auf das frühe 12. Jahrhundert zurück: Es sind dies die Mauern des Hauptschiffs mit der Empore und die unteren Turmgeschoße mit den romanischen Doppelfenstern. Nach einem verheerenden Großbrand im Jahre 1276, der fast die ganze Wiener Innenstadt vernichtete, wurde ein Großteil der Kirche gotisiert. Das Hauptschiff erhielt eine gotische Apsis, und der Turm wurde um ein Geschoß erhöht. Die beiden heute noch verwendeten Glocken stammen auch aus dem 13. Jahrhundert und sind in bemerkenswerter Weise an Jochen ohne Schrauben montiert. Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche vergrößert: Die südliche Außenwand wurde durchbrochen und um das Seitenschiff mit gotischem Kreuzrippengewölbe erweitert. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert befand sich gleich neben dem Kirchturm das so genannte Praghaus. Es diente zeitweise als Nebenresidenz der Herzöge und hatte einen direkten Zugang zur Kirchenempore. Dieses Gebäude beherbergte zwischen 1500 und 1824 das Salzamt. Hier wurde das per Schiff angelieferte Salz aus dem Salzkammergut zwischengelagert und weiterverkauft. Als Gegenleistung musste das Salzamt für die Erhaltung der Kirche aufkommen. Nach der Einführung des Salzfreihandels im Jahr 1824 wurde das Praghaus 1832 abgerissen. Etwa hundert Jahre später wurden die Ruprechtskirche und ihr Zubau, die heutige Sakristei, erneut umgestaltet. Bei der Renovierung am Ende des 20. Jahrhunderts ging es darum, die Bausubstanz zu sichern und den Innenraum für eine zeitgemäße Liturgie zu adaptieren. Dabei wurden Qualität und Schlichtheit gleichermaßen angestrebt, um Konzentration auf das Wesentliche zu ermöglichen.

 

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Die Fenster

Das mittlere Fenster der Apsis hat die Jahrhunderte seit etwa 1270 unbeschadet überdauert und ist somit das älteste erhaltene Glasfenster Wiens. Es zeigt im oberen Teil Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes, im unteren die Madonna mit dem Kind. Die beiden seitlichen Apsisfenster (Heinrich Tahedl, 1949) stellen den Hl. Rupert als Lehrer beziehungsweise als Bischof mit den Kirchengründern Chuniald und Gislar dar. Anfang der 1990er Jahre erhielt die Kirche neue |Glasfenster von Lydia Roppolt (1922–1995)|. Sie zeigen im Hauptschiff einen Zyklus zum Thema »Lob Gottes bei Errettung aus tiefster Not« (Daniel in der Löwengrube, Jonas mit dem Fisch, Die drei Jünglinge im Feuerofen) und in der Apsis die Gründungsgeschichte von St. Ruprecht. Mehrere abstrakt gestaltete Fenster haben das »Lob der Schöpfung« zum Thema.

 

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Die Innenausstattung

Im Hauptschiff dominiert am Übergang zur Apsis ein barockes Kruzifix, das seit 1765 in der Kirche ist. Der steinerne Altar ist in seinen unteren Schichten romanisch. 1703 war um ihn herum ein barocker Hochaltar errichtet worden, der 1986 wieder entfernt wurde. Am vorderen Pfeiler des Hauptschiffs befindet sich eine Holzskulptur des Hl. Rupert aus dem 14. Jahrhundert, am hinteren Pfeiler eine spätgotische Marienstatue (ca. 1515) in ungewöhnlicher Darstellung: Das Kind wendet sich nicht, wie sonst üblich, dem Betrachter, sondern der Mutter zu und hält sich an ihr mit ausgebreiteten Armen fest.

 

Der Seitenaltar in der Apsis des Seitenschiffes trägt den von Ignaz Kienast (*1959) aus Bronzeguss mit Fassdauben gefertigten Tabernakel (1998). Ebenfalls im Seitenschiff befindet sich ein achteckiges Taufbecken aus Adneter Marmor mit der Inschrift »A+M+D+Y+E+M« (anno MD in aeternam memoriam – im Jahre 1500 zum ewigen Gedenken).

 

Am Aufgang zur Empore hängt das ehemalige Hochaltarbild von Johann Georg Schmidt (um 1720). Es zeigt den Hl. Rupert mit Putten, die seine Attribute - Bischofsstab, Buch und Salzgefäße – tragen. Eine weitere Darstellung des Hl. Rupert gibt es neben dem Eingang zur Sakristei: Ein Relief aus dem frühen 16. Jahrhundert. In einem kleinen Andachtsraum im Erdgeschoß des Turmes befinden sich Statuen von Joachim und Anna sowie eine Marienstatue aus Ebenholz (»Loretomadonna«).

 

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An der Empore erinnert eine Steintafel an Kaiser Friedrich III mit seinem persönlichen Zeichen A.E.I.O.U und der Jahreszahl 1439. An der Nordwand der Kirche steht unter der Empore der Sarkophag des Hl. Vitalis, eines Märtyrers aus den Römischen Katakomben. Das Skelett ist barock bekleidet, fehlende Teile wurden aus Wachs ergänzt. Der Märtyrer Vitalis erinnert an jene Menschen, die wegen ihrer Herkunft, ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens wegen Opfer von Verfolgung wurden.

 

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