
St.Rupert (oder St.Ruprecht), Festtage: 27. März und 24. September.
Die Ruprechtskirche ist die älteste Kirche der Stadt Wien, sie liegt auch in deren ältestem Teil, auf dem Gebiet des römischen Vindobona.
Nach dem Untergang Vindobonas erhielten sich innerhalb der römischen Mauern kleinere Siedlungen, eine davon um die Ruprechtskirche.
Nach der Überlieferung wurde die Ruprechtskirche von Cunald und Gisalrich, zwei Gefährten des Kirchenpatrones, der bis ca. 715 als Bischof in Salzburg wirkte, im Jahre 740 gegründet. Rupert (Attribut: Salzfaß) ist Schutzpatron der Salzschiffer und der Erzdiözese Salzburg. Kirchen, die dem hl. Rupert geweiht sind, sind daher meist Salzburger Gründungen. In Wien hatte Salzburg nur zwischen 796 und 829, bevor Wien dem Bistum Passau zugesprochen wurde, Einfluß. Die wahrscheinlichste Zeit der Gründung liegt also in dieser Zeit.
Die erste urkundliche Erwähnung der Ruprechtskirche, die aber nicht auf die Gründungszeit eingeht, erfolgte 1200, sie wird als die älteste Pfarrkirche Wiens bezeichnet.
Im Westen schloß an die Ruprechtskirche das sogenannte „Praghaus” (mit direktem Zugang auf die Empore!) an, das zeitweise Nebenresidenz der Herzöge war. Ab 1500 befand sich darin das „Salzamt”, in dem die Monopolware Salz an Einzelhändler weiterverkauft wurde. Das Salzamt war auch für die Erhaltung der Kirche zuständig. 1562 sollte die Kirche zum Salzlager umgewidmet werden, 1782 wurde von Joseph II. die Schließung angeordnet, beides wurde aber nicht durchgeführt. 1813 wurde die Ruprechtskirche der Dompfarre St.Stephan unterstellt und wird seither von einem Kirchenrektor betreut.

Die ältesten Teile des bestehenden Baues sind die unteren Turmgeschosse und das Hauptschiff, die um 1130 errichtet wurden. Sie sind damit die ältesten erhaltenen Mauern der Stadt, die noch benutzt werden!
Beim Stadtbrand von 1276 wurde auch die Ruprechtskirche beschädigt. Bei der Wiederherstellung wurde die Apsis errichtet und der Turm um ein Geschoß erhöht. Die Balken im obersten Turmgeschoß sind noch die Originale aus dem 13. Jh (sie wurden ca. 1260 gefällt).
Das Seitenschiff wurde in der Mitte des 14. Jh. angebaut.
1622 erfolgte die Barockisierung: Die Fenster wurden vergrößert und das bis dahin flach gedeckte Hauptschiff erhielt ein Gewölbe.
1703 wurde der morsche Dachstuhl erneuert und das Innere der Kirche neu gestaltet, ein barocker Hochaltar wurde um den romanischen Altartisch errichtet. 1765 ergänzte man die Einrichtung, die intarsierten Bänke wurden aufgestellt.
Beim Neubau des Hauses östlich der Kirche im Jahre 1824 wurden die Fundamente der Apsis untergraben, diese drohte einzustürzen. Sie wurde 1829 abgetragen und unter Verwendung der alten Konsolen und Gewölberippen neu errichtet.
1832 wurde das an die Westseite der Kirche angebaute Praghaus abgerissen, der Kirche wurde eine neogotische Fassade vorgeblendet.
1924-35 wurde die neugotische Fassade wieder entfernt, das barocke Gewölbe im Hauptschiff - dem Original entsprechend - durch eine Holzbalkendecke ersetzt.
Schäden durch Granattreffer im 2. Weltkrieg und die Sprengung der Ruine eines Nachbarhauses 1948 wurden 1949 behoben, wobei die seitlichen Apsisfenster neu gestaltet wurden, die restlichen Fenster 1992 von Lydia Roppolt geschaffen.
1997/98 wurde die Kirche innen restauriert.

Die Ruprechtskirche ist von Häusern eng umschlossen, bis 1832 konnte man nur durch Hausdurchfahrten auf den Ruprechtsplatz gelangen, wie heute noch durch den Durchgang im Haus Ruprechtsplatz 5.
Vor dem Haupteingang befand sich bis 1824 ein Portalvorbau. Die Formen des jetzigen spitzbogigen Portales stammen von 1835.
An der Westseite befindet sich eine eiserne Renaissance-Tür von ca. 1530.
Am romanischen Turm, der erst seit 1935 freisteht, ist im 2. Obergeschoß ein Fenster zu erkennen, früher eine Tür zwischen „Praghaus” und Empore.
Die Säulen der Arkaden des 3. Turmgeschosses entstanden um 1140, die im 4. Geschoß um 1170. An den Würfelkapitellen sind Lilien-Ornamente, lineare Ritzungen (bemerkenswert die Darstellung eines siebenarmigen Leuchters), oder flechtbandartige Ornamente zu erkennen.

Im obersten Geschoß des Turmes befinden sich die ältesten Glocken Wiens, 2 kleine, unbeschriftete Glocken von ca. 1280. Bemerkenswert sind auch die Joche der Glocken, an denen sie ohne Schrauben befestigt sind.
An der Nordseite des Turmes steht eine Statue des hl. Rupert von 1837.
An der Nordwand der Kirche kann man die verschiedenen Bauphasen ablesen: Das romanische Bruchsteinmauerwerk des Hauptschiffes mit Quadersteinen an den Ecken (1. Hälfte des 12. Jh.), das gotische Bruchsteinmauerwerk der Apsis (um 1300), das verputzte Ziegelmauerwerk vom Wiederaufbau (um 1829).

Der einfache steinerne Altar ist in seinen unteren Schichten romanisch, er wurde 1935 erhöht.
Am gedrückten Bogen der Westempore eine Sandsteintafel mit der Aufschrift „AEIOU 1439”, der Devise Kaiser Friedrichs III. Die Bedeutung dieses Wahlspruches ist unklar. Von den ca. 300 Erklärungsversuchen für diese Abkürzung sind die populärsten: „Aller Ehren ist Österreich voll” und „Austria erit in orbe ultimum (Österreich wird immer bestehen)”. Die Tafel erinnert an den Einzug Friedrichs III. in Wien am 6. 12. 1439, nicht an die Errichtung der Empore, die schon im 12. Jh. bestanden hat. Das Maßwerk der Brüstung stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jh.. Von der Westempore gelangt man in eine Turmkammer, daneben ein gotisches Portal, beide früher Übergänge in das Praghaus.
Das romanische Hauptschiff stammt aus der 1. Hälfte des 12. Jh.. Die Balkendecke aus Eichenholz wurde 1935 dem romanischen Vorbild entsprechend eingezogen. Hinter dem spitzbogigen Triumphbogen die nach dem Brand von 1276 erneuerte 5/8 Apsis. Die Konsolen der Rippen zeigen teilweise Blattwerkschmuck.
An der Südwand der Empore (ursprünglich eine Außenwand) wurde 1935 ein Rundbogenfenster freigelegt, das heute in den Dachboden führt. Der Rundbogen ist aus 2 Steinen gemeißelt. Um ein echtes Gewölbe aus verschiedenen Steinen vorzutäuschen, hat man den Bogen abwechselnd rot und weiß bemalt.
Die ursprüngliche südliche Außenmauer ist durch drei unregelmäßige, spitzbogige Arkaden durchbrochen und führt in das gotische, kreuzrippengewölbte Seitenschiff aus der Zeit um 1340.
Über dem Triumphbogen befindet sich ein barockes Kruzifix aus dem ersten Viertel des 18. Jh., das 1765 in die Kirche gekommen ist.
Die Holzskulptur des hl. Rupert (ca. 1370) ist für die Entstehungszeit altertümlich und anatomisch nicht richtig, die Hände setzen (ohne Arme) direkt am Körper an. Die Attribute fehlen oder wurden ergänzt. Die Madonna ornamentierter Fassung aus der Zeit um 1510-20. Das Kind ist Maria (nicht dem Betrachter!) zugewendet und hält sich an den Zöpfen der Mutter fest. Die Figur ist eine Hängefigur, deren Unterseite ein Gesicht bildet. Diese ungewöhnliche Darstellung leitet sich von der „Madonna auf der Mondsichel” ab. Der Mond, der üblicherweise ein Gesicht trägt, ist hier nicht zu sehen, sondern nur ein dunkles Gesicht als Gegenpol zu Maria.
In der Apsis des Seitenaltares befindet sich der Sakramentsaltar, dessen Maßwerk vom Gesimse des 1835 errichteten Westvorbaues, stammt.

Der Tabernakel aus Bronzeguß mit Faßdauben (Symbole für den Wein und damit das Blut Christi, die runde Scheibe im Zentrum Symbol für die Hostie) wurde 1998 von Ignaz Kienast (*1959) geschaffen.
Davor befindet sich ein achteckiges Taufbecken aus Adneter Marmor. Die Inschrift „A+M+D+Y+E+M” bedeutet „anno MD in aeternam memoriam” (Im Jahre 1500, zum ewigen Gedenken).
An der Westwand des Seitenschiffes das ehemalige Hochaltarbild von Johann Georg Schmidt (1720), es zeigt den hl. Rupert mit Putten, die seine Attribute - Bischofsstab, Buch und Salzgefäße - tragen.
An der Westwand des Hauptschiffes befindet sich ein Rupertrelief aus dem frühen 16. Jh., ursprünglich Teil eines gotischen Flügelaltares.
Die Lorettomadonna im Turmerdgeschoß ist eine Ebenholz-Figur, die aus Kroatien stammt und in Türken- und Pestzeiten besonders verehrt wurde, links und rechts die barocken Figuren ihrer Eltern, Joachim und Anna, vom ehemaligen barocken Hochaltar von 1703.

An der Nordwand der Kirche unter der Empore der Sarkophag des hl. Vitalis. Die Reliquien wurden der Kirche von Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1765 geschenkt und stammen (von einem Märtyrer) aus den Römischen Katakomben. Das Skelett ist barock bekleidet, fehlende Teile wurden in Wachs ergänzt.
Die Ruhestätte des Märtyrers soll - auch wegen der Nähe des ehemaligen Hauptquartieres der Gestapo am Morzinplatz - eine Gedenkstätte für alle Menschen sein, die wegen ihrer Herkunft, ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens Opfer von Verfolgung wurden.

Im Mittelfenster der Apsis befinden sich die beiden ältesten erhaltenen Glasfenster Wiens (ca. 1370). Oben der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, unten die Madonna mit dem Kind. Die Scheiben sind in ihrer Substanz original erhalten und kaum ergänzt.
Die beiden seitlichen Apsisfenster nach Entwürfen von Herbert Tahedl (1949) stellen den hl. Rupert als Lehrer (links) und als Bischof (rechts) mit den Kirchengründern Cunald und Gisalrich dar. Links die Datierung und das (legendäre) Gründungsjahr (740 und 1949).

Die Nordwand zeigt drei figürlich gestaltete Fenster mit Szenen der Errettung des Menschen: Von links nach rechts: „Daniel in der Löwengrube”, „Jonas mit dem Fisch” und „Die drei Jünglinge im Feuerofen”. In der Nordwand der Apsis der Heilige Rupert mit den beiden „traditionellen” Kirchengründern Cunald und Gisalrich.
Die Nordwand ist bewußt ohne weiteren bildlichen Schmuck gehalten, damit die starkfarbigen Glasfenster besser wirken können.
Die Fenster des Seitenschiffes sind nach Gedichten des Kirchenrektors, Pater Joop Roeland, gestaltet, deren Grundthema das Lob der Schöpfung ist.
Zahlreiche Artikel der Gemeindezeitung Fragmente
befassen sich mit der Geschichte der Ruprechtskirche, so zum Beispiel: