WEG NACH BETLEHEM

Eselswege sind demütige Wege.
Es sind die Wege der Armen.

Eselswege sind Wege
der Langsamkeit und des Wartens.
Es sind friedliche Wege:
Kein Streitross galoppiert
über den Eselsweg in den Krieg.
Keine Marschmusik wird gehört,
keine Fanfare.
Der Eselsweg ist wie der Weg
des Liebenden zur Geliebten,
wie des Tröstenden zum Kranken.
Auf dem Eselsweg geht der Mensch
mit Blumen in der Hand.
Einen Ruheplatz findet er leicht
auf dem Eselsweg:
eine Quelle, einen Schatten.
Hier bricht der Mann
das Brot für die Frau
und schöpft er ein Wasser.
Ein Lied des Friedens
wird hier geboren.
Auf Eselswegen
wird es geprobt.

Joop Roeland

aus: FRAGMENTE 19.Jahrgang /Nr.1 / Dezember 2004

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