Die Wege von Esel und Lama

Es ist nicht ganz einfach für einen Mitteleuropäer, sich die Adventszeit in den tropischen Wäldern am Fuße der peruanischen Anden vorzustellen. Dort ist es zu dieser Zeit Sommer und das Thermometer klettert mühelos über die 30° C Grenze. Auch die Eselswege aus Joops Gedicht sind in den Anden - zumindest für den Zoologen - Wege, die eher mit dem Lama beschritten werden. Und dennoch, die Verheißung am Ende des Pfades, ist dieselbe: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

Die aus Südamerika stammende Krippe, die nun schon seit vielen Jahren unsere Kirche schmückt, will uns ebenfalls an diese Heilsbotschaft erinnern. Sie steht aber auch als Zeichen für unsere Verbundenheit mit Pater Gabriel und seiner Gemeinde in San Juan del Oro, der auch heuer wieder unsere Weihnachtssammlung gewidmet ist. Das Geld dient vor allem der Starthilfe von Projekten aller Art (z. B. notwendigste Ausstattung eines Frauenzentrums, Aufstocken der Bibliothek einer Berufsschule, Soforthilfe bei unvorhergesehenen Notsituationen und vieles mehr).

... Es freut mich, dass ihr wieder an uns denkt in der Mitternachtsmesse in St. Ruprecht. Konnte mit der Unterstützung von euch vielen Malariakranken eine schnelle Hilfe leisten. Auch mit der Bibliothek von Yanamayo konnten wir das ganze Jahr den Schülern von Yanamayo und Umgebung eine gute Basis für ihre Ausbildung geben. ...Das Leben geht weiter, hier gibt es keinen Adventstress, keine Geschenke oder so Sachen. Ich bin froh über solche Weihnachten. Näher den Menschen und dem Leben. ... schreibt Pater Gabriel aus Peru,

Eselswege sind demütige Wege. Es sind die Wege der Armen. schreibt Joop Roeland in Wien, Botschaft an der winterlich kalten Krippe der Hirten, Botschaft aus dem sommerlich schwülen Pessebre der Campesinos, ein zarter Lichtstrahl der Hoffnung fällt auf den steinigen Weg von Esel und Lama.

Manfred Pintar

aus: FRAGMENTE 19.Jahrgang /Nr.1 / September 2004

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