Zusammenkommen: das ist eine Grundvoraussetzung für eine Feier. Von überall her kommen die Menschen und begrüßen sich. Dann kann man feiern. So auch bei der Eucharistiefeier. In meiner niederländischen Jugend hab ich das allerdings anders gelernt. In meinem damaligen Gebetbuch, „Gebete für Burschen”, gab es zur Messe die Anleitung: „Wenn du die Kirche betrittst, grüße niemanden. Nur Gott.” So habe ich das viele Jahre gehalten, bin grußlos in die Kirche hineingegangen und habe mich auf unseren Stammsitz gesetzt.
In unserer Erfahrung der Liturgie hat sich da viel geändert. Die Gemeinsamkeit des Feierns ist uns wichtig geworden und so gibt es „Begrüßung” am Anfang dieses Zusammenkommens. Begrüßung ist hier viel mehr als eine Alltagsübung der Höflichkeit. Es ist interessant sich mit der Etymologie des Wortes „grüßen” zu befassen. Die Wörter haben ihre Geschichte. Und diese Geschichte kann. helfen die Wörter zu deuten. Im „Etymologischen Wörterbuch” von Kluge heißt es über das Wort grüßen, dass dieses Wort ursprünglich bedeutete: zum Reden bringen. Das war einmal der Sinn der grüßenden Anrede. Wo Menschen zusammenkommen, sollten sie schon am Kirchenplatz einander zum Reden bringen. Und wenn sie auseinandergehen, sollten sie sich nicht davon schleichen, sondern mit Witz und Wunsch den Alltag wieder betreten.
Unser Gemeindezentrum wurde in den Ferien renoviert. Das Wort Gemeindezentrum ist ein wenig irreführend. Es hört sich an wie „Zentrum für Molekular-Biologie”. Oder so ähnlich. Aber eigentlich ist es unter anderem ein Kirchenplatz, ein Vorraum zur Kirche. Hier kommen Menschen zusammen, vor und nach einer Feier. Sie bringen einander zum Reden und hören aufeinander. Gespräch blüht auf.
Gespräch ist eine der Funktionen eines Gemeindezentrums. Es ist nicht die einzige Funktion, aber eine der wichtigsten. Die renovierten Räume mögen für viele gute Worte ein guter Boden sein.
Ein wichtiges Wort, das hier schon festzulegen ist, ist ein Dankwort an Architekt Johannes Kraus, der mit großer Fachkenntnis und Kreativität diese Räume gestaltet hat. Ein Wort des Dankes an alle, die in irgendeiner Form mitgearbeitet haben.
Joop Roelandaus: FRAGMENTE 18.Jahrgang /Nr.4 / September 2004