Wenn nicht zu Pfingsten, wann dann?

Die Frauen

Pfingsten ist das Fest, wo etwas laut wird, was in der nachösterlichen Ambivalenz nicht so recht klar ist. Aufkeimende Freude über das Wunder der Auferstehung, Bestätigungen durch Begegnungen und Angst vor der kommenden Entwicklung prägen das Klima der Zwischenzeit.

Es gab nicht viel zu tun in der Zeit: keine Heldentaten, keine Bekenntnisse. Der Ort der Untätigkeit ist der versperrte Raum. Die verschreckte und auch hoffende Gemeinschaft ist die geschlossene Gruppe. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um mit dem Auferstandenen zusammen zu treffen, damit könnte man spekulieren. Oder flammende Gewissheit erlangen, woher auch immer, dass etwas dran ist an dem, was immer lauter gemunkelt wird, das wäre etwas.

In der Pfingstpredigt des Petrus kommt die Weissagung des Propheten Joël (Joël 3,1 und 2) zu prominenter Verwendung, wird Argument. „Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein” und „über meine Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen” (Apg 1,17 und 18) Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Heilsgeschichte hat eine lange Tradition, ebenso lange ist die Ignoranz dieser Gleichbehandlung durch das sich wichtiger dünkende Geschlecht.

Auch in der Literatur gibt es jenes Ungleichgewicht. Der Held und seine mehr oder weniger erfolgreichen Taten eignen sich besser für die Beschäftigung der Dichter und Dichterinnen als die Besingung der konstanten und unterschätzten Anwesenheit der Frauen. Magda Motté fasst diesen Umstand so zusammen: „Die meisten Werke behandeln jene biblischen Frauen, die sich durch spektakuläre Taten einen Namen gemacht und dadurch das Interesse vornehmlich der männlichen Autoren geweckt haben. Andere, an der der Geschichte des Volkes Israel unmittelbar beteiligte, werden vielfach nur im Zusammenhang mit den entsprechenden Männern genannt, und klugen, listenreichen Frauen wurde in der Literatur bisher nur wenig Beachtung geschenkt.”

Das gilt auch für die meisten Frauen aus dem Neuen Testament. Die Mehrzahl der Frauen fungiert als Gruppe der Jüngerinnen in Jesu Nachfolge, ohne dass einzelne Charaktere hervorgehoben würden. Soweit die Germanistin und Theologin.

Pfingsten ist das Fest, wo etwas laut wird, was in der gesellschaftlichen Ambivalenz nicht so recht klar ist. Eine stetige Anwältin Pfingstens und des Ereignisses ist die Literatur mit ihrem Bemühen um angemessenes Sprechen. Sie hat das ähnliche Anliegen: verlautbaren, mitunter nur leise, hervorbringen, was in alten Geschichten schon vorhanden ist. Neue Sprache finden, wenn kaputte Sprache vorherrscht.

Hannes Hochmeister

aus: FRAGMENTE 18.Jahrgang /Nr.3/ Mai 2004

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