Zum Tode von

Hans Jörg Auf der Maur, SMB

(1933-1999)

Dr.theol., Univ.-Prof. für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie

Hans Jörg Auf der Maur

Prof. Dr. Hans Jörg Auf der Maur wurde 1933 in Luzern geboren. 1954 schloß er sich der Missionsgemeinschaft Betlehem an und wurde 1959 zum Priester geweiht. Von 1971 bis 1985 war er Ordinarius für Liturgiewissenschaft an der Universität Amsterdam. 1985 wurde er an das Institut für Liturgiewissenschaft der Universität Wien berufen, dem er bis zu seinem Tode vorstand. Er starb am 22. Juli 1999 in Wien.

Am Samstag, den 23. Oktober, findet in St. Ruprecht ein Gedenkgottesdienst für Hans Jörg Auf der Maur start, der gemeinsam mit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien veranstaltet wird.

Jeden Samstagabend vor dem Gemeindegottesdienst, wenn ich ein wenig schaue, wer so aller gekommen ist, gibt es mir einen Stich: Prof. Auf der Maur ist nicht mehr da. Mit Traurigkeit, aber auch in großer Dankbarkeit denke ich an ihn. Denn er war ein großer Freund der Gemeinde, sehr mit uns verbunden. Öfters habe ich gehört, dass er in Wien die Gemeinde St. Ruprecht als seine kirchliche Heimat betrachtet hat. Er schätzte vor allem unser Bemühen um die Liturgie. Er sprach das auch aus. Allerdings, mehr noch als die Gemeinde St. Ruprecht schätzte er die Liturgie in der Dominikuskirche in Amsterdam, die er gut kannte aus der niederländischen Phase seines Lebens, wohl seiner glücklichsten Lebenszeit. Einmal zog er direkt diesen Vergleich zwischen uns mit jener Kirche, von deren Liedgut wir soviel übernommen haben. Nach einer sehr anspruchsvollen Pfingstliturgie, sagte er mir: Das war so gut wie in der Dominikuskirche. Er war mit unserem Anliegen, dem oft vernachlässigten Pfingstfest mehr Profil zu geben, sehr einverstanden. Und vor einem Jahr meinte er, wiederum zu Pfingsten: das war besser als in der Dominikuskirche.

Er war nicht nur einer, der solidarisch mit uns mitfeierte. Er half uns auch mit seinem profunden Wissen. Der deutliche Ritus des Brotbrechens, die Ablehnung von im Tabernakel aufbewahrten Hostien aus einer anderen Messe mit zu verwenden, die Wichtigkeit des Alten Testamentes in der Liturgie und vieles mehr haben wir bei ihm gelernt. Bestimmte Grundsätze für die Gestaltung der Liturgie hat er an die Gemeinde vermittelt: z. B. in Bezug auf den gelegentlich aufkommenden Wunsch, das Vater Unser zu sprechen, gilt bei uns das Wort von Prof. Auf der Maur: „Die gemeinsame Sprache der Gemeinde ist das Singen.”
Prof. Auf der Maur und ich sprachen niederländisch miteinander. Er beherrschte diese Sprache sehr gut. Wir verstanden uns. Sein Wort, sein Wissen, sein Lächeln, seine Freundlichkeit: es geht mir alles ab.

Lieber Hans Jörg, ich vermisse dich.

Joop Roeland


Begegnungen zwischendurch - Begegnungen mit Hans Jörg Auf der Maur

Mein erstes Ostern in Wien - Pfarre Machstrasse: Morgens in aller Herrgottsfrühe war er da. immer begierig mitzuerleben, wie Pfarren das Drama um Tod und Auferstehung Jesu feiern; damals (erkannte ich Hans-Jörg Auf der Maur nicht - und hätte in ihm längst nicht den Professor und Priester vermutet...

Später dann wurden die Begegnungen häufiger, Begegnungen zwischendurch, im vierten Stock, Schottenring 21, dem Stockwerk der praktisch-theologischen Fächer: Viel Zeit zum kollegialen Austausch blieb nicht, es war ein aufmerksames Nebeneinander, von einander wissen im ähnlichen Ablauf des Universitätsalltags - wenn die Zigarrenschwaden langsam den Gang im vierten Stock füllten: deutliche Signale für Seminar-, Privatissimum- oder Prüfungssitzungen. Vielleicht sind die Rauchschwaden ein Symbol für Hans Jörg Auf der Maur: schwebend, im Vorbeigehen, aber auch nachhaltig und nicht wirklich aufzuhalten.

Zuletzt erst trafen wir uns auch in St. Ruprecht, meist in der letzten Bank an der Säule, rechts hinten. Wohl kaum eine Standortbestimmung für unsere Positionen in der Kirche, aber ein Ort des Überblicks, ohne sich heraushalten zu wollen. Als in unserer Gemeinde Not am Man(n) war, hat Hans Jörg Auf der Maur öfters mit uns Gottesdienst gefeiert: Eindrucksvoll in der Sprache, vorsichtig mit den Gewohnheiten der Gemeinde, jemand, der überzeugt ist etwas wichtiges zu tun, ohne daß sein Feiern einen professionellen Expertentouch bekommen hätte...

Ich bin froh Hans-Jörg Auf der Maur kennengelernt zu haben, in den Begegnungen zwischendurch.

Stefan Dinges
Der Autor arbeitet am Seminar für kirchliche Berufe.


Hans Jörg Auf der Maur bleibt nicht nur als Wissenschaftler im Gedächtnis, der den Mut und die Bescheidenheit hatte, abseits modischer Polygraphie Substantielles zu suchen, zu erschließen und zu vermitteln; er war nicht nur ein akademischer Lehrer, der es verstand, seine Hörer und Hörerinnen zu den Quellen liturgischer Traditionen zu führen, und ein Institutsvorstand, der seine Mitarbeiter in ihrer Arbeit umsichtig förderte. Seine Beziehung zur Gemeinde St. Ruprecht, wo er Ähnliches gefunden zu haben scheint wie in der Dominikuskerk seiner Amsterdamer Jahre, illustriert den hohen Stellenwert lebendiger Liturgie in seinem Leben: seine feste Verwurzelung in der vielfältigen kirchlichen Tradition und sein ungebrochenes Vertrauen auf die innovatorischen Impulse des Zweiten Vatikanums ließen ihn hohe Ansprüche an die liturgische Feierkultur mit der Ermutigung zu experimentellen Feierformen verbinden. Er war ein Zeuge für die Hoffnung, die nach seinen eigenen Worten immer wieder auch Sturheit verlangt, daß aus der Einsicht in Grundgestalt und -gehalt der liturgia semper reformanda Neues wachsen kann und muß.

Harald Buchinger
Der Autor ist Assistent am Institut für Liturgiewissenschaften.

aus: FRAGMENTE 13.Jahrgang/Nr.4/September 1999

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