BERICHT ÜBER DIE RENOVIERUNG

Kirche während der Renovierung

•Zustand vor der Restaurierung

Die Ruprechtskirche befand sich nicht nur in einem abgewohnten Zustand, es bestand auch akute Gefahr für die Bausubstanz durch Feuchtigkeit von unten und oben. Aufgrund der beschränkten Finanzmittel konnte keine Generalsanierung, sondern nur die Innenrenovierung und die nötige Dachreparatur durchgeführt werden.

Eine große Gefahrenquelle stellte der bei früheren Bauarbeiten im Presbyterium aufgebrachte Sperrputz dar, durch den die Bodenfeuchtigkeit bis in die Höhe der Gewölbe getrieben wurde, die Entfernung dieses Putzes war daher unbedingt notwendig. Weiters wurde in Bodennähe durchfeuchteter Putz abgenommen. Soweit der Verputz noch einigermaßen intakt war, wurde er natürlich belassen und wo nötig gefestigt, nur die oberste Schicht Spritzputz aus den dreißiger Jahren wurde entfernt.

•Sicherung, Bauaufnahmen

Vor den Baumaßnahmen wurden vom Bundesdenkmalamt Untersuchungen der Färb- und Verputzschichten durchgeführt. Das freigelegte Mauerwerk wurde photographisch und photogrammetrisch aufgenommen, die freigelegten Reste älterer Malereischichten wurden gefestigt und dokumentiert.

•Baumaßnahmen

Nach dem Austrocknen des Mauerwerks wurde Kalkputz nach alter Rezeptur aufgebracht, der nun keine Gefahr für das Mauerwerk mehr darstellt.

Zur Trocknung des Mauerwerks wurde im Altarbereich eine elektrische Wandheizung eingebaut, unter dem Fußboden in der Sakristei eine Belüftung.

Neben diesen notwendigen Sanierungsmaßnahmen wurde aber auch das Erscheinungsbild des Kirchenraumes erneuert: Die provisorische hölzerne Stufenanlage um den Altar wurde durch eine steinerne ersetzt, die Fensterbretter, die innen vorstanden, wurden auf die Mauerfläche bündig zurückgeschnitten.

Die Wandoberfläche wurde in alter Technik patschokkiert, das heißt mit einer besonders dickflüssigen Kalk-Schlämme überzogen, um die verschiedenen Putzuntergründe, die erhalten werden mußten und konnten, optisch möglichst zu vereinheitlichen und dennoch eine lebendige, historischen Oberflächen entsprechende Struktur zu erhalten. Die Malerei in den Gewölbesegeln des Seitenschiffes, die in den 30er Jahren nach barocken Resten auf den trockenen Putz gemalt worden war, konnte nicht mehr restauriert werden, sie hätte neu gemalt werden müssen. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und der Gemeinde wurden deshalb auch die Gewölbesegel geschlämmt, nachdem die Reste der Malerei gefestigt und Risse qeschlossen worden waren.

Die Rippen, die Großteils in den 30er Jahren erneuert, teilweise in Kunststein ausgeführt und vielfach mit Zementmörtel verfugt worden waren, hat Restaurator Spurny - dem mittelalterlichen Vorbild entsprechend - in einem hellen Grauton geschlämmt.

Für viele Besucher ist die Steinsichtigkeit wichtiges Merkmal eines gotischen Bauwerkes, sie entspricht aber nicht dem mittelalterlichen Originalzustand, sondern wurde meist im 19. oder 20. Jahrhundert hergestellt, indem man mit späteren Übermalungen auch die originale Oberfläche entfernte. Darüberhinaus machte die unregelmäßige Erscheinung der Rippen mit ihren nachgedunkelten Zementfugen eine Oberflächenbehandlung nötig.

•Einrichtung

In der Sakristei wurde der „josephinische” Schrank restauriert und wieder an den ursprünglichen Platz zurückgestellt, neue Möbel, die die vorhandenen Nischen ausnützen, wurden eingebaut.

Da eine vollständige Restaurierung der Kirchenbänke wegen der unter der jetzigen Farbe vorhandenen Intarsien sehr teuer gewesen wäre, wurden an ihnen nur die notwendigsten Arbeiten durchgeführt, fehlende Teile ergänzt, lose Teile gefestigt und außerdem eine Sitzheizung eingebaut. Der desolate Windfang wurde durch einen neuen ersetzt, der durch seine Glasscheiben auch bei versperrter Kirche Einblick in das Innere ermöglicht.

Der Taufstein, der bisher beim Eingang abgestellt war, wurde in die Nähe des Sakramentsaltares versetzt, wo sich die Mitfeiernden um ihn versammeln können. Da eine Beleuchtung mit Lüstern für diesen Raum nicht in Frage kam, wurde eine möglichst blendfreie Wandbeleuch- tung mit vielen kleinen Lichtquellen ausgeführt. Zur Erleich- terung des Lesens in der Mitte und zur Beleuchtung der Skulpturen wurden zusätzlich noch Deckenstrahler installiert, schließlich wurde auch die Innenbeleuchtung der Fenster für den Nachtbetrieb erneuert.

•Glückwünsche

Ich hoffe, daß die Ruprechtskirche auch in der neuen Erscheinung von intensivem Leben erfüllt bleibt, und daß die noch anstehenden Arbeiten im Inneren (Bänke, Orgel) und die Außenrenovierung (vor Allem die Ableitung des Regenwassers aus dem Fundamentbereich und die Trockenlegung der Grundmauern) in absehbarer Zeit durch- geführt werden können.

Architekt D.I. Wolfgang Zehetner, Dombaumeister

aus: FRAGMENTE 12. JAHRGANG / Nr. 2 / Jänner 1998

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