Bei der Präsentation der neuen Glasfenster in der Ruprechtskirche am 19. 9. 1993 trug Elisabeth Hellmich folgenden von ihr verfassten Text vor.

Der Engel des ersten Fensters spricht:

Daniel in der Löwengrube

Habakuk war ein Prophet in Judäa;
zu ihm wurde ich gesandt.
Gerade, hatte er gekocht und gebacken -
und wollte das Essen zu seinen Leuten aufs Feld bringen.
Ich nahm ihn beim Schopf und trug ihn nach Babylon, mitsamt seinem Brot.
Dort hatte der König den Propheten Daniel in die Löwengrube werfen lassen -
aus Angst vor den Höflingen,
die den Juden Daniel um seinen Einfluss beneideten.
Die Löwen taten Daniel nichts - doch er litt Hunger.
Ihm brachte Habakuk das Brot -
im Auftrag Gottes und als sichtbares Zeichen dafür, dass er nicht verlassen war.
Habakuk war im nächsten Augenblick wieder daheim;
Daniel wurde nach sieben Tagen unversehrt aus der Grube gezogen.
Der König freute sich darüber;
er begriff, dass Daniel von seinem Gott, dem einzigen lebendigen Gott, bewahrt und beschützt worden war.

Der Engel des zweiten Fensters spricht:

Jona

Ich weiß nicht, warum ich in der Heiligen Schrift nicht erwähnt werde - hat man mich einfach vergessen?
Ich wurde zu einem Mann namens Jona geschickt.
Der wollte den Auftrag, den ich ihm von Gott brachte, nicht erfüllen;
er weigerte sich, nach Ninive zu gehen und die Menschen dort vor dem drohenden Untergang zu warnen.
Doch es nützte ihm nichts, daß er mit einem Schiff in die entgegengesetzte Richtung davonfuhr:
Er wurde ins Meer geworfen, von einem Walfisch verschluckt und drei Tage später am Strand ausgespuckt.
Die ganze Zeit war ich bei ihm, doch er merkte es nicht.
Auch auf seinem Weg nach Ninive ging ich mit;
ich habe ihn gestärkt in seiner Angst, als er dort das Verderben ankündigte. Und als Jona zornig wurde, weil Gott die Stadt doch verschonte, war ich ihm nahe;
ebenso, als er dann zu Tode traurig war.
Doch er wusste es nicht. Wie schwer hat es ein Mensch, der seinen Engel nicht wahrnehmen kann!

Der Engel des dritten Fensters spricht:

Jünglinge im Feuerofen

Zu der Zeit, als König Nebukadnezar in Babylon herrschte,
hatte ich dort einen Auftrag zu erfüllen.
Drei junge jüdische Männer weigerten sich,
ein goldenes Standbild anzubeten.
Die Strafe dafür war der Tod im Feuerofen.
Die drei wollten an ihrem Glauben an den einzigen Gott festhalten -
auch dann, wenn sie nicht gerettet würden.
Alle Himmel waren voll Freude und Staunen
über diesen Mut und diese Treue!
Ich sollte die Jünglinge im Feuerofen schützen.
Die drei gingen inmitten der Flammen auf und ab -
ihre Fesseln waren von ihnen abgefallen -
und sie sangen ein Lied -
ein wunderbares Lied,
mit dem sie Gott und seine Schöpfung lobten.
ich weiß aber nicht genau,
ob es tatsächlich der kühle Wind meiner Flügel war,
der sie vor dem Verbrennen bewahrte.
Ob nicht in Wahrheit die Kraft ihres Singens sie gerettet hat?

Der Engel des vierten Fensters spricht:

Ruprecht Chuniald und Gisalrich

Mich gibt es in keiner Geschichte und auf keinem Bild.
Ich bin der Engel derer, die unterwegs sind in einem fremdem Land.
Mit dem heiligen Rupertus - oder Ruprecht - bin ich gegangen
auf seinen weiten Wanderungen, die ihn vom Rhein bis nach Salzburg führten.
Und ich war bei Gisilar und Chuniald,
die beide von Salzburg aus ins Land der Awaren gesandt wurden.
Sie gründeten hier die Kirche St. Ruprecht.
Ich habe sie unterwegs bewacht und beschützt
und ich habe ihnen geholfen,
ihren Auftrag nicht zu vergessen und ihre Vision zu bewahren.
Auch heute bin ich Menschen nahe, die einen gefährlichen und ungewissen Weg gehen im Namen ihres Gottes - überall auf der Welt.
Ich bin aber auch bei all jenen,
die Brot bringen,
vor Gefahren warnen,
Lieder singen
und an ihren Träumen festhalten -
ob sie sich dabei auf Gott berufen oder
nicht.

aus: FRAGMENTE 8.Jahrgang / Nr.1 / im Advent 1993

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