Als unsere Gemeinde 1988/89 Überlegungen zur Ersetzung der alten „Butzenscheiben” durch neue Glasfenster anstellte, stieß man bald auf das Thema der Jünglinge im Feuerofen. Es erschien von doppelter Aktualität: einerseits die verfolgten Juden (damals - heute) und die Lage der Kirche zwischen Synagoge und ehemaligem Gestapo Hauptquartier am Morzinplatz, andererseits das Lob der Schöpfung und die „Umweltproblematik” Über das Thema herrschter von Beginn an große Einstimmigkeit. Es folgten Diskussionen in Gemeindeversammlungen sowie Exkursionen, um das Werk Lydia Roppolts, der besonders von Joop Roeland unterstützten Künstlerin der Glasfenster, kennenzulernen. So wuchs nach manchen Schwierigkeiten das Einverständnis der Gemeinde.

Lydia Roppolt erstellte 22 Glasfenster, über den Einbau von drei Fenstern in der Apsis wird das Bundesdenkmalamt noch entscheiden, das vierte stellt den Kirchenpatron Rupert sowie die Kirchengründer Chuniald und Gisalrich dar.
Die übrigen Fenster illustrieren das Thema „Lob Gottes bei Errettung aus tiefster Not”. Die drei figuralen Fenster an der Kai-Seite zeigen Daniel in der Löwengrube, Jona und den Wal und die drei Jünglinge im Feuerofen. Im ersten reicht der Prophet Habakuk dem in der Löwengrube Gefangenen auf Weisung des Engels Brot (siehe Dan 14, 23-42). Das zweite, Jona und der Wal, nimmt Bezug auf die Universalität Gottes und seinen Heilswillen. Im dritten figuralen Fenster sehen wir die im Feuerofen Gott lobenden und preisenden jungen Männer, denen der Engel des Herrn von oben rettend beisteht (Dan 3, 51-90).

Ihr Lob auf die Schöpfung und den Schöpfergott wurde in den abstrakten Fenstern bildlich gemacht, sie preisen die Schönheit und das Geheimnis der Schöpfung und künden den Lobgesang Gottes. Diese Bilder wurden inspiriert von Worten aus Joop Roelands Buch „Nach dem Regen grünes Gras”.
So gewinnt der schlichte Kirchenraum durch die Farbigkeit der Antikglasfenster eine neue Dimension. Besonders nachts leuchten die Fenster Über den den Kai und bilden ein unübersehbares Zeichen.
Michaela Dorninger-Ronniger
aus Fragmente 4/1993