Wenn sich 225 Jesuiten treffen, um einen neuen Generaloberen zu wählen, ist das zunächst scheinbar unspektakulär. Wer in dem so säkularisierten Rom nimmt denn noch auf ein paar Jesuiten Rücksicht, die da zusätzlich zu den tausenden anderen Klerikern in die Stadt kommen? Und doch, gleich zu Beginn unserer Generalkongregation warteten schon die Kameras von Aufnahmeteams und die Briefe von anderen Ordensgemeinschaften, die uns schrieben, dass sie aufmerksam unseren Vorgang verfolgen würden und der eine und andere Jesuit erzählte auch von Ortsbischöfen, die sich dafür interessieren. Schaut(e) also die ganze Welt auf uns? Wir selbst sind so ein Abbild der ganzen Welt. Wir kommen aus allen Kontinenten, aus nahezu allen Nationen mit unzähligen verschiedenen Muttersprachen. Wir bilden auch die Weltkirche ab, bunt, vielsprachig, alt und jung (relativ) mit vielen Ideen und Meinungen aber verbunden im Glauben an Jesus Christus und im Dienst für die Menschen und die Kirche tätig. Diese Selbstverständlichkeit eint uns untereinander und uns mit der Kirche und seinem Haupt auf Erden, dem römischen Papst. Nichts, so scheint es, bleibt unbeobachtet und doch stand die Welt für uns still, als wir in vier Beratungstagen (murmurationes), wo wir vom Gebet begleitet und durchdrungen über offene, wertschätzende Fragen und ehrliche, auch Schwächen nennende Antworten versuchten, den herauszufinden, der dann als Geeignetster gewählt, die Geschicke des Ordens lenken soll. Eine spirituelle Erfahrung. Vielleicht ging es den Aposteln ebenso, als sie einen Nachfolger für Judas Iskariot suchten oder die sieben Diakone wählten. Die Freude unter uns war groß, als wir unseren neuen Generaloberen in ziemlicher Klarheit und Gemeinsamkeit gewählt hatten: Einen Japaner aus Spanien, Adolfo Nicolás, Weltkirche in sich vereinend.
Wir werden noch in vielen Sitzungen und Gesprächen versuchen, unseren Dienst an den Menschen und der Kirche für die nächsten Jahre neu auszurichten. Das wird auch mühsam werden und wir werden vielleicht manchmal mehr Meinungen haben, als wir selbst sind, aber schon jetzt eint uns die Erfahrung des Wirkens des Geistes Gottes - einfach Erfahrung von bewegter Weltkirche.
P. Gernot Wisser SJaus: FRAGMENTE 22.Jahrgang /Nr.2 / Februar 2008