GEMEINDETAG AM 14.OKTOBER 2007 UNTERWEGS MIT DER KARAWANE ST. RUPRECHT
„...Tag durchfahren, nachtlang ziehen, Karawane ohne Rast...” heißt es in einem Lied, das immer wieder in unseren Gottesdiensten gesungen wird. Diese Bild hat uns auch einen Gemeindetag lang beschäftigt: Wie eine Karawane ist die Gemeinde St. Ruprecht auf dem Weg, mit vielen Schätzen, aber auch einigen Lasten im Gepäck. Welche Rolle hat der oder die Einzelne in der Gemeinde? Wie viele Kamele - genau genommen Dromedare, wie uns Manfred Pintar, der Biologe, aufklärte - braucht St. Ruprecht, die Schätze (ein)bringen und Lasten tragen? Und wie viele und welche Schmetterlinge, also z.B. Begleiter, die vielleicht auch mal nur kurze Zeit einfach nur da sind, verträgt die Gemeinde, damit der Alltag funktioniert? Aus diesem Alltag kommend sind wir, etwa 40 Menschen aller Generationen, die sich der Gemeinde verbunden fühlen, darunter auch die Jugendlichen, die sich zur Zeit in St. Ruprecht auf die Firmung vorbereiten, an einem sonnigen Herbstsonntag im Kardinal-König-Haus zusammengekommen. ohne gesprochene Worte, dafür mit bildhaften Begriffen, Gesten und Musik hat uns Manfred auf das Thema eingestimmt. Dann haben wir uns nach der Dauer unserer Zugehörigkeit zu St. Ruprecht gereiht und sind in Kleingruppen miteinander ins Gespräch gekommen - darüber, wie und warum wir nach St. Ruprecht gekommen sind und wie der Einstieg in die Gemeinde gelungen ist: Für einige war das ein (jahre)langer und mitunter schwieriger Weg, Anderen ist dieses Hineinfinden leicht gefallen. Spannend war dieses Kennenlernen unserer Geschichte(n) mit St. Ruprecht, weil in einigen Kleingruppen „Ruprechterinnen und Ruprechter”, die schon viele Jahre oder sogar schon seit den Anfängen der Gemeinde dabei sind mit jenen zusammengetroffen sind, die teilweise erst kurze Zeit nach St. Ruprecht kommen oder (fast) ganz neu da sind.
Damit es auf unserem Weg wieder ein Stück weitergeht, braucht es auch Impulse von außen - und so hat uns unser Rektor Gernot Wisser mit den Visionen und Aufträgen an die Gemeinde St .Ruprecht, die uns der Pastoraltheologe Prof. Rainer Bucher vor einem Jahr in seinem Vortrag mit auf den Weg gegeben hat, konfrontiert, diese weitergedacht und mit uns diskutiert.
Besondere Anziehungspunkte für eine Karawane sind oasen - als Plätze der Sammlung im doppelten Sinn: in mehreren verschiedenen oasen war nach dem Mittagessen Zeit, sich zu sammeln im Sinn von erholen (z.B. bei einem gemeinsamen Spaziergang durch den herbstlich-sonnigen Garten oder beim Zusammentreffen im Meditationsraum) und gleichzeitig im Austausch mit Anderen das zu sammeln, was die Gemeinde St. Ruprecht an Schätzen im Gepäck hat und was seine Mitglieder an Talenten und Begabungen dabei haben und einbringen können und wollen - im Bereich der Liturgie, aber auch bei Kunst, Musik und Literatur, im Gemeindeleben, im Umgang der Menschen miteinander.
Es kam auch zur Sprache, dass Schätze, wie z.B. eine gut vorbereitete und gestaltete Liturgie auch zur Last werden können, wenn sie an einigen wenigen „hängen bleiben”, wenn also z.B. zu wenige Menschen bereit sind, ihre Talente einzubringen und Dienste in der Gemeinde zu übernehmen. Denn der Alltag der Gemeinde funktioniert nur, wenn diese Fülle an Diensten geleistet wird - vom Liturgiekreis, der jeden Gottesdienst vorbereitet, über das Brotbacken und Blumenbesorgen für den Gottesdienst bis zum Mittun im Chor, als Lektor/ in oder bei der Gabenbereitung. Je mehr Menschen dazu bereit sind, immer wieder mal einen dieser Dienste zu übernehmen, umso kleiner und kaum noch spürbar sind diese Alltagslasten.
Andererseits wird St. Ruprecht aber auch von Vielen gerade deswegen geschätzt, weil man auch nur kommen und da sein und mitfeiern darf, ohne etwas leisten zu müssen. In diesem ständigen Spannungsfeld versuchen wir unsere Visionen im Alltag zu leben - von Samstag zu Samstag. Aus den oasen kommend haben wir uns am Nachmittag wieder getroffen und einander erzählt und gezeigt, was wir gesammelt haben. Die Firmlinge haben uns ihr Bild von der Karawane präsentiert, als die sie auf dem Weg zur Firmung 2008 sind.
Mit einer Liturgie ist die Karawane St. Ruprecht mit all ihren vielen Schätzen in Form von Begabungen, Talenten und bereichernden Begegnungen, an diesem Sonntagnachmittag vorerst angekommen - aber nur bis zur nächsten Etappe...
Eveline Kalmusaus: FRAGMENTE 22.Jahrgang /Nr.1 / November 2007