Was macht ein Hrdlicka im Altarraum?

Eine schrägliegende Bronzefigur als Stolperstein - noch niemand fiel darüber und verletzte sich, auch die Figur erlitt noch keinen Schaden - Gott sei's gedankt. Ist sie also doch nur ein gewöhnliches Kunstwerk, doch nur eine Plastik als Installation, ein Kunstwerk im Kirchenraum, Kirche als Museum? Die Figur, Marsyas II, ist ein Halbgott, ein Satyr, der den Wettstreit mit Apollon verlor und von diesem wegen der Unverschämtheit eine Gottheit im Spiel herausgefordert zu haben auf eine Fichte geknüpft und enthäutet wurde. Wie sehr Religion und Gewalt tatsächlich oder nur in unseren Köpfen zusammenhängen, sich gegenseitig durchdringen war Thema der Gottesdienstreihe, die ihren Kulminationspunkt im Gedenken an die Novemberpogrome vor 69 Jahren hatten. Die Plastik ist die Versinnlichung des Themas der letzten Gottesdienste und somit nicht mehr bloß Kunstwerk, sondern Teil von Liturgie. Die Figur ist also doch ein Stolperstein für unsere Selbstgewissheiten, unsere eigenen subtilen Formen von Gewalt oder gar von religiöser.

Religiös geht es im Advent mit Mechthild von Magdeburg um „Das fließende Licht der Gottheit”, um Licht und Mystik und Erotik. Themen, die heilen und heil machen, wie es Geschichten gibt, die retten. Auch diese können wir im Advent hören und uns dem Geheimnis der Menschwerdung ein Stück näher bringen. Auch die Roratemessen wollen dazu verhelfen. Was schon alles heilend/heiligend war, beschreiben die Berichte von Manfred Pintar über das Ruprechtsfest und Eveline Kalmus über den Gemeindetag.

P. Gernot Wisser SJ

aus: FRAGMENTE 22.Jahrgang /Nr.1 / November 2007

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