Die eine Autorin oder den anderen Autor in den Urlaub mitnehmen, im zweiten Sommermonat auf dem Peloponnes über die Adventlesungen nachdenken, sich für die vier Sonntagabende in der besinnlichen Zeit des Jahres einlesen und das Programm skizzieren. Das hat trotz ernstgemeintem Vorsatz doch nicht so geklappt, wie es haarklein geplant war. Zwar habe ich unter dem Terrassendach probiert: Marlen Haushofer, Robert Gernhardt, Jakob Wassermann und Fjodor M. Dostojewski. Aber nicht entschieden. Sie sind ja auch noch nicht zu sehen, die untrüglichen Zeichen am Himmel der Einkaufsstraßen, die den Weg weisen. In den Regalen fehlen sie ebenfalls. Der angebotene Lebkuchen, eigentlich schon ein verdächtiges Produkt, muss bis jetzt ohne Sterne und andere Weihnachtsinsignien auf der Verpackung auskommen. Wie kann man da erwarten, dass das Programm für die Literatur in St. Ruprecht schon steht?
Keine Sorge, die ahnungsvolle Gewissheit der Kinder, dass es unter dem Christbaum auch dieses Mal etwas für die Autobahn oder für das Puppenhaus geben wird, wird nicht enttäuscht. Ja, das Kind wird wieder in der Krippe liegen und in den Büchern rundherum andere Geschichten. Zu Laurentius, am 10. August, hatte es auch in Griechenland viele Sternschnuppen. Die waren, so weiß ich erst jetzt, mit mir auf der Suche nach Büchern. War das eine aufgeregte Jagd nach einem Landeplatzes von der Größe eines Buchdeckels! Noch dazu zu dieser unpassenden Jahreszeit und mit dieser Geschwindigkeit. Wie anders verhält sich da der wahre Weihnachtstern, wenn seine große Stunde gekommen ist. Wie souverän und nobel weist er auf den Beginn der Geschichte hin, die erlöst und rettet. Diese große Geschichte hat bereits ihren Stern. Die kleineren Geschichten, die in St. Ruprecht gelesen werden und um die herum musiziert wird, müssen sich noch gedulden: Kommt Zeit, kommt Stern.
Hannes Hochmeisteraus: FRAGMENTE 21.Jahrgang /Nr.4 / September 2007