DER GEIST: IN FLASCHEN GEFÜLLT, TIEFGEKÜHLT
HALTBAR UND ERQUICKEND ÜBER JAHRE.

Literarische Pfingstnovene „Geboren aus Wasser und Geist” in St. Ruprecht Eine Möglichkeit Weisheit einzuwecken ist die Schrift. Ungeheures Potential steckt in dieser Kulturtechnik und seiner Speicherform dem Buch. Beabsichtigt allerdings ein Dichter und eine Dichterin, Wissen und Weises der Öffentlichkeit zu entziehen, bedienen sie sich eines absolut dichten Mediums, das vor Entdeckung schützt: des Gedichtbandes.

Ruprechter Freundinnen und Freunde schritten vor Pfingsten mit einem nicht unumstrittenen Gerät: der Wünschelrute ihre Bücherregale ab, um nach poetischen Wasseradern und verschiedensten lyrischen Wässerchen zu suchen, sowohl in den tiefsten Tiefen der hinteren Buchreihen als auch in den höchsten Höhen, wo alles zu Staub wird und kaum ein Lüfterl weht.

Und siehe, man wird fündig. Und siehe, man wird gefunden.

Geist und Wasser mischen sich, mischten sich schon immer, überfallen einen, fallen über einen her.

Manche Gedichte sind wie Aufblastiere, wenn sie nicht beatmet werden, schrumpeln sie in einer Lade dahin. Lange sucht einer das Ventil, um Leben einzuhauchen. Ist dieser Zugang gefunden, gibt es Freude, segelt ein Gedicht stolz dahin in der Badewanne.

(Gedichte sind Instantgeist, mit feuchtem Atem wird er zubereitet, entfaltet er ungeahnte Aromen, zumindest für jene, die mitunter zu fast food greifen.) Trockene Buchstaben werden mittels Hauch aufgewirbelt, fi nden ein Ohr, ein Herz. In einem Gedicht ist mehr drin als draufsteht.

Zisch dir ein . . . Gedicht! Ah!!

Und der Durst ist gelöscht und die Sehnsucht hat sich gelohnt und du weißt, das ist genau das Richtige für dich.

Aber bleiben wir am Boden. In St. Ruprecht wurden Texte gelesen, an die frische Luft gebracht, gegossen. Pfingstliches war angesagt, steter Wind rührte sich von weither, Regenwolken führte er mit. Trost und Frucht.

Hannes Hochmeister

aus: FRAGMENTE 21.Jahrgang /Nr.3 / Mai 2007

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