VOM SCHWELGEN UND FASTEN

Das Fasten ist da - wir schwelgen. Wir schwelgen in unseren Liturgien in einem der zwölf kleinen Propheten, in Nahum. Es ist ein kurzes Buch und doch etwas Besonderes - ein poetisches Kunstwerk. Es ist ein Werk, in dem sich die ignatianische Weise des Herangehens an Schuld findet. Wie anders soll man beginnen, als mit einem Loblied auf Gott täglich zu danken, für die Schöpfung, für all das, was man erleben darf, was geschenkt einem zufällt und was gedeutet immer nur zu dem einen Ursprung führt. Daraus wächst Vertrauen und Zuversicht auf Gott für Schwieriges, um auch fähig zu sein, ihm für einem selbst Schwieriges zu sagen. Auf diese beiden Passagen folgen bei Nahum drei prophetische Reden gegen Ninive. Die Löwenfamilie, die Hurerei und eine Heuschreckenmetapher bilden Kernstück der Anklagen. Damit kann das Buch Nahum aber auch zur Hilfestellung für die eigene persönliche Schuld- und Sündenbetrachtung werden. Dass dies nicht trocken und bruchstückhaft gestammelt sein muss, zeigt Nahum ebenso. Es ist pure Poesie. In Poesie zu schwelgen, um sich anhand dieser biblischen Texte der eigenen Schwächen bewusst zu werden, ist das nicht ein Fasten, wie Gott es will?

Nicht ganz so radikale Umkehr, doch den Kopf ein wenig wenden oder ihn schräg stellen, dazu will uns Hannes Hochmeister mit der Literatur in St. Ruprecht verleiten. Den Kopf ein wenig gewendet hat die Gemeinde von St. Ruprecht als sie seinerzeit zu ihrer Partnergemeinde San Juan del Oro geblickt hat, sind doch die peruanischen Anden nicht wirklich in der Blickrichtung der Wiener. Der in die Anden gewendete Blick wird durch einen Brief über die Freuden, Sorgen und Hoffnungen entlohnt.

Der neuerlich leicht gewendete Kopf zeigt im Kalendarium, was sich in der Gemeinde in nächster Zeit tun wird, dieses kündet auch von der Osterliturgie und den Liturgien in der Osterzeit. Das sind Zeiten des Schwelgens in Freude und Dank, hineingenommen zu sein in die verändernde Wirklichkeit Gottes.

P. Gernot Wisser SJ

aus: FRAGMENTE 21.Jahrgang /Nr.2 / Februar 2007

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