Von Freitag, 20.10.2006 bis Samstag, 21.10.2006 nahmen 8 SchülerInnen der 7. und 8. Klassen des GRg 3 Hagenmüllergasse und des BG/BRG/BORG 22 Polgarstraße an der Veranstaltung „Exerzitien auf der Straße” teil.
Anlass war das Interesse von SchülerInnen an dieser Form der „Geistlichen Übungen”, nach einer Unterrichtseinheit im Mai 2006 zu ignatianischer Spiritualität. Die so genannten „Exerzitien auf der Straße” gehen auf den Jesuiten und Arbeiterpriester Christian Herwartz in Berlin und seine Gruppe „Ordensleute gegen Ausgrenzung” zurück. Seit 6 Jahren leitet Christian Herwartz Exerzitiengruppen in Berlin und Köln. Seine Idee wurde von Ordensmitgliedern auch in anderen Großstädten übernommen. Im Mittelpunkt steht die Erzählung Ex 3, 1-15 und der Grundgedanke ignatianischer Spiritualität „Gott in allem”: Jeder Ort kann ein Heiliger Ort sein, jede Begegnung kann Begegnung mit dem Heiligen sein, gerade angesichts von Unscheinbarkeit und Alltäglichkeit.
Es folgte ein Experiment, die „Exerzitien auf der Straße” für die Lebenssituation von SchülerInnen tauglich zu machen. Geplant für den Zeitrahmen 2 Tage ohne gemeinsame Übernachtung. Es sollte ein Kennnlernen der Exerzitien, ein „Schnupperkurs” werden. Inhaltlich planten wir 3 Einheiten mit jeweils einem biblischen Text zu Beginn, Impulsfragen für die persönliche Meditation, dem Aufsuchen und Verweilen an bestimmten Orten und späterer Refl exion der Erfahrungen in der Gruppe oder in Einzelgesprächen.
Veranstaltungsort war die Ruprechtskirche, die älteste Kirche Wiens inmitten des so genannten „Bermuda-Dreiecks” - für unsere Idee dieser Straßenexerzitien sehr offen und einladend. Uns standen auch die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums in der Seitenstettengasse zur Verfügung.
Wir erlebten eine Zeit des Austausches von Gedanken und Empfindungen über Schulstress, über die Dinge, die uns aktuell beschäftigen und über das Unscheinbare, das man nicht auf den ersten Blick sieht, worauf aber durch das Verweilen an einem Ort die Aufmerksamkeit gelenkt werden kann. Mehr und mehr rückten diese unscheinbaren Alltäglichkeiten (z.B. ein Papier im Spalt einer Parkbank oder ein Marktverkäufer, der sich die Hände wäscht) in den Mittelpunkt unserer Gespräche.
Gleich dem Satz von Saint-Exupery „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar” reflektierten wir über unsere Art zu sehen und doch nicht zu sehen.
Was macht mich blind?
Was will ich wirklich nicht sehen?
Was macht einen Boden für mich heilig?
Worin zeigt sich das?
Der Gemeindegottesdienst in St. Ruprecht um 17:00 Uhr mit anschließender Agape bildete den Abschluss der Veranstaltung. Dazu ist zu bemerken, dass sie unsere Liturgie „anders”, „komisch”, „besser als sonst ( in der gewohnten Pfarre)” erlebten und Haralds Predigt zu Thema „Heilige Orte” wirklich gut gelungen war!
Vom Feedback her wünschen sich unsere SchülerInnen eine Wiederholung dieser Veranstaltung. Uns beide hat diese Erfahrung auch bereichert, und wir denken dieses Experiment weiter... Versuchskaninchen erwünscht!
MMag. Yvonne Spitz-Handrich und MMag. Lothar Handrichaus: FRAGMENTE 21.Jahrgang /Nr.1 / Dezember 2006