Ein Gemeindeleben in Übergängen
Wir haben 20 Jahre Gemeinde St. Ruprecht gefeiert. Vieles ist in dieser Zeit gewachsen, manches hat sich in diesen Jahren auch verändert. Doch im Blick zurück ist weniger die Veränderung im Visier als die Dankbarkeit. Dankbarkeit ist auch angebracht, Gott gegenüber und für Joop Roeland und seinen Einsatz und das Engagement all der Frauen, Männer und Kinder, die diese Gemeinde 20 Jahre gestaltet haben. Rainer Bucher hat uns in seinem Vortrag zum Fest der Gemeinde zwei Aspekte mitgegeben, die sich auf die Zukunft richten: prophetisches Reden und die Aufgabe des Ortes.
Die Aufgabe und Herausforderung des Ortes, in der City, haben Yvonne und Lothar Handrich mit ihrem Schülerprojekt aufgegriffen. Exerzitien auf der Straße, Bermudadreieck anders und die Nachtkirche als Lernorte für die eigene Spiritualität führten die Schüler und Schülerinnen zu neuen persönlichen Dimensionen, griffen die Anliegen der Gemeinde mit der Nachtkirche wandelnd verwandelnd auf - erfüllten also damit auch die Forderung Rainer Buchers, sich der Bedeutung des Ortes bewusst zu sein - und griffen das Thema ignatianischer Spiritualität auf.
Ein Beispiel für Wandel oder doch ein Beispiel für Kontinuität? Kirche, mehr noch die Liturgie, die unsere Gemeinde sammelt und zu der wir uns versammeln, braucht Kontinuität, Rückbindung an das Gewohnte, das Bewährte. St. Ruprecht ist Heimat für verschiedene Gruppierungen, Gottesdienstgemeinden, Kunstprojekte - das ist gut und bewährt. Die Literaturlesungen moderiert durch Hannes Hochmeister und die Kunstinstallationen kuratiert durch Christof Cremer sind nicht bloß Kunstprojekte, sondern spirituelle Angebote, gottesdienstliche Elemente einer Gemeindeliturgie. In dieser Fülle von Formen kann Gemeinde leben und spirituell wachsen.
Wie die Kinder wachsen und sich verändern und Gemeinde immer neu auf die Bedürfnisse ihrer jungen Mitglieder eingehen muss, so verändert sie sich selbst auch permanent. Als neuer Seelsorger der Gemeinde weiß ich um beides, um die Wichtigkeit des Bewährten und um die Notwendigkeit von Veränderungen. Beides geht nur gemeinsam, beides macht eine lebendige Gemeinde aus, eine Gemeinde in Entwicklung.
P. Gernot Wisser SJaus: FRAGMENTE 21.Jahrgang /Nr.1 / Dezember 2006