Ich bin ein Kind der Stadt. Die Leute meinen,
und spotten leichthin über unsereinen,
dass solch ein Stadtkind keine Heimat hat.
Anton Wildgans
Ich bin ein Kind der Stadt, auch wenn ich vor fünfzig Jahren in Mondsee geboren wurde, weil mein Vater dort beruflwich tätig war. Eineinhalb Jahre später kam ich in die (Wiener-)Stadt und blieb dort für Schule (Wasagasse) und Studium (Architektur/Denkmalpfl ege/TU). Selbst mein Büro in der NÖ. Landesregierung war in Wien und zum Außendienst als bautechnischer Amtsachverständiger pendelte ich vor allem ins Weinviertel.
Als ich dann den Ruf zur priesterlichen Berufung hörte, trat ich ins Wiener Priesterseminar ein und begann in Wien Theologie zu studieren. Das Studium führte mich dann für vier Jahre in die ewige Stadt Rom. Nach der Priesterweihe 1991 im Stephansdom und einem weiteren Jahr in Rom, trat ich ins Noviziat der Jesuiten in Innsbruck, eine schon eher kleine Stadt, ein. Tätigkeiten als Kaplan, als Redakteur des Entschluss und diverse Bauangelegenheiten, sowie ein Doktoratsstudium ließen mich zwischen meiner Heimat Wien und meiner zweiten Heimat Rom pendeln. Die Architektur und die Theologie fanden ihre jeweilige Ergänzung in der Philosophie. So schrieb ich in meiner Dissertation über postmoderne Kunsttheorien. Sesshaft in Wien wurde ich dann als Superior der Jesuiten in Wien 1, als Leiter der Alten Burse, eines Jugendzentrums, als Geistlicher Assistent des Katholischen Akademikerverbandes Wien (KAV), als Geistlicher Assistent der Katholischen Hochschuljugend (KHJ).
Mein Terziat, eine Art strukturierte Sabbatzeit, führte mich in die nächst Stadt, nach Berlin und dann in eine AIDS-Station nach Südafrika, mitten ins Nirgendwo. Zurück in Wien wurde ich Direktor des Kardinal König Hauses. Diese Managementaufgabe wird nun ihren Ausgleich in der pastoralen Tätigkeit an der Ruprechtskirche finden. Mein Leben im „Dorf”, in Lainz, bekommt eine städtische Note.
Nochmals Stadt: Urlaub mache ich am liebsten in einer Stadt am Meer mit Sonne und vielen Büchern.
Gernot Wisser SJaus: FRAGMENTE 20.Jahrgang /Nr.4 / September 2006