Die „Unsichtbarkeit” alter Frauen, insbesondere im Kontext des Feminismus
Anmerkungen zu meiner Dissertation
Wieso Unsichtbarkeit? Sind nicht Frauen mehr als die Hälfte der Bevölkerung? Gibt es nicht viel mehr alte Frauen als alte Männer?
Unsichtbarkeit von Frauen meint vor allem: Nicht wahrgenommen werden (können). Durch aktives Verschweigen – wie beim „Mitgemeint-Sein” in der Sprache. Oder durch die Männerzentriertheit in der Geschichtsschreibung, in einem literarischen „Kanon”, in biblischen Texten. Zur Unsichtbarkeit von Frauen trägt auch der Begriff von Arbeit als Erwerbsarbeit bei. Tatsächlich unsichtbar sind Frauen in vielen gesellschaftlichen Positionen – je höher in der Hierarchie, desto weniger Frauen. Auch mediale Darstellungen können „unsichtbar” machen: durch immer gleiche Klischees, durch das Ausblenden vielfältiger Lebensrealitäten. Für alte Frauen verschärft sich diese Situation. Alter kommt nicht einfach „dazu”. Alte Frauen sind in einer Art Crash-Situation, wie auf einer viel befahrenen „gefährlichen Kreuzung”. In einer jugendlichen und fitten Gesellschaft ist Alter ein Tabu-Thema. Meist hört man nur von Pensionsproblemen, von Pflegenotstands oder vom angeblichen Generationenkampf. Propagiert wird das „aktive”, das „erfolgreiche” Altern. Wie viele Alte(rnde) wollen und können dem entsprechen? Auch Armut macht unsichtbar - und die Altersarmut ist weiblich. Und wieder die Bilder: Welche Bilder alter Frauen sind in den Köpfen gespeichert,werden öffentlich präsentiert?
Wer nun noch wissen will, was der Feminismus damit zu tun hat und was herausgekommen ist, könnte mich fragen oder die Arbeit lesen – oder dann das Buch, das hoffentlich daraus hervorgehen wird.
Elisabeth Hellmichaus: FRAGMENTE 20.Jahrgang /Nr.3 / Juni 2006