anlässlich des 75/50 Festes von Joop Roeland am 06.05.2006
„Wo wohnst du?” fragen die zwei Jünger im Evangelium Jesus. „Wo ist deine Bleibe?” wäre vielleicht eine richtigere Übersetzung. „Da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte und blieben jenen Tag bei ihm.” Gestern begegnete ich auf einer Terrasse zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere. Beide waren sehr bereist. An vielen Orten waren sie schon gewesen. London, New York, Peru, Ägypten und so weiter. Ich frage mich, ob ich je innerhalb von einer Begegnung von so vielen Ländern und Orten gehört habe.Beide Frauen hatten aber ein Loch in ihrem Leben, ein Liebesloch sozusagen. Der Mann der älteren Frau war infolge eines Verkehrsunfalls ums Leben gekommen. Und die Jüngere... wurde immer wieder verlassen. Ich begegne immer Männern, nachdem etwas in ihrem Leben passiert ist. Die lassen sich dann von mir trösten und gehen wieder davon. Einige Jahre war sie die Freundin von einem Entfesselungskünstler der sich offensichtlich auch von ihr wieder loslöste, sie in einer Art von Verzweiflung und Haltlosigkeit hinterlassend. Diese Frau war offensichtlich selber keine Entfesselungskünstlerin. „Ich bin eigentlich eine Frau, die gerne zuhört.” sagte sie obwohl sie auch sehr vieles gesagt hat. „Ich benötige einen dominanten Mann.” Dass es noch solche Frauen gibt! Bei dir, Joop, wäre sie nicht an der richtigen Adresse. Denn ein dominanter Mann bist du ganz bestimmt nicht. Es ist nicht wegen der Dominanz, dass du hinausgezogen bist bis zur vordersten Linie, bis zum Stephansturm, bis zum Herzen dieser Stadt und dieses Landes. Ich glaube es ist einfach passiert, weil du dich hast tragen lassen vom Ewigen. Gerade deswegen bist du ein tragender Mensch geworden für viele. Wo wohnst du? Wo ist deine Bleibe? Wir wissen: dein Haus, deine Bleibe befindet sich im Schatten des Stephansturmes. Deine kleine Küche habe ich immer unheimlich gemütlich gefunden. Und diese Gemütlichkeit nimmst du mit, wenn du in meiner Küche in Amsterdam anlangst. Du weißt: seit langem vergleiche ich dich mit einem „pruttelende koffiepot”, einer „brodelnden Kaffeekanne”. Dich würde ich auch sicher keinen Entfesselungskünstler nennen, eher einen „Einspinnkünstler” wie dieses fremdländische Insekt im Baum gerade gegenüber deiner Wohnung, dessen Entwicklung vor deinem Fenster auch sorgfältig und liebevoll festgehalten wurde für die Dokumentation „Der lebendige Dom”. Ein Einspinnkünstler. Eingesponnen bist du in Wien, in die Straßen dieser Stadt, die du voller Zärtlichkeit einzeln bei ihrem Namen nennen kannst wie ein Liebender, wie Adam es tat mit allen Lebewesen. Eingesponnen bist du bei Sankt Stephan, im Curhaus. Liebevoll und voller Humor kannst du reden über die sonderbaren und exotischen Vögel, die dort zuhause sind wie du immer reden kannst über so viele Menschen die wie große Wunder Gottes auf deinem Wege gewesen sind. Eingesponnen in der Gemeinde Sankt Ruprecht, eingesponnen bei den Augustinern, eingesponnen in deinem Vaterland, in deiner Heimatstadt Haarlem und in deiner Familie. Eingesponnen in die Herzen von uns allen hier und vielen anderen Menschen. Eingesponnen zum Tiefsten, so glaube ich, in deinen tragenden Gott, in deinen Herrn Jesus Christus, der dir immer gezeigt hat, wo Er seine Bleibe hat und bei dem du geblieben bist, nicht nur einen Tag... Ich bin sicher, lieber Joop, weil du deine Bleibe immer bei Ihm gefunden hast, haben wir unsere Bleibe bei dir gefunden und du hast uns unheimlich geholfen auch ohne deine physische Anwesenheit zu deinem und unserem Gott und Herrn zu gelangen. Wir werden diese Fähigkeit noch weiter benötigen in Zukunft. Das wird nicht einfach sein. Wir werden es schaffen. Du wirst es schaffen. Denn: Wir wissen ums Ziel. Wir werden uns tragen lassen. Prächtig ist das Land. Wunderbar wird es sein
.Amen
Pierre Valkeringaus: FRAGMENTE 20.Jahrgang /Nr.3 / Juni 2006